18. Januar 2023

FUR Reiseanalyse: Urlaubsreisetrends 2023

Für die CMT 2023 hat die Forschungsgemeinschaft Urlaub und Reisen e.V. (FUR) eine erste vorläufige Bilanz des Tourismus in 2022 erstellt und die touristischen Trends des neuen Jahres ermittelt.

2022: Tourismus nimmt wieder Fahrt auf
Der internationale Tourismus wuchs im Jahr 2022 deutlich. Weltweit wird die Zahl der Ankünfte von internationalen Gästen voraussichtlich bei ca. 920 Mio.* liegen, nach 448 Mio. (2021) und 409 Mio. (2020). 2019 lag der Vergleichswert bei 1,47 Mrd. im Jahr 2019 [Quelle: UNWTO, *Schätzung FUR]. Damit liegt das Volumen des internationalen Tourismus etwa auf dem Niveau von 2010. In Europa sind die Werte allerdings schon fast auf dem Niveau von 2019.
In Deutschland stieg in den ersten zehn Monaten des Jahres 2022 die Zahl der Gästeübernachtungen im Vergleich zum entsprechenden Vorjahreszeitraum deutlich auf 394 Mio. (+137%) [Quelle: Statistisches Bundesamt, 2022]. Für das ganze Jahr 2022 kann man mit ca. 456 Mio. (nach 310 Mio. 2021) Übernachtungen in Deutschland rechnen. 2019 waren es noch 496 Mio. gewesen.
Hintergrund dieser Entwicklung: Seit Jahresanfang 2020 beeinflusste die rasche Ausbreitung des Coronavirus das Leben in nahezu allen Ländern der Welt. Aufgrund der gegen die Verbreitung des Virus ergriffenen Maßnahmen kam der grenzüberschreitende Urlaubstourismus zeitweise fast vollständig zum Erliegen. Auf der Angebotsseite waren bis zum Frühjahr 2022 sämtliche Segmente der Touristikwirtschaft, also z. B. Hotellerie, Gastronomie, Verkehrsunternehmen, Reiseveranstalter und -büros von den Pandemiefolgen betroffen.

Die Urlaubsreisen der Deutschen 2022
Für den Bereich der Urlaubsreisen der Deutschen erwartet die FUR nach den vorläufigen Daten auf der Basis der RAonline vom Jahresende für 2022 ein steigendes Niveau der Nachfrage mit einem Volumen von ca. 63 Mio. Urlaubsreisen (55,1 Mio. im Vorjahr 2021). Die erwartete Zahl der Kurzurlaubsreisen (Dauer zwei bis vier Tage) liegt bei 80 Mio. (+ 70% geg. Vorjahr, – 16% geg. 2019) [Quelle: Trendabschätzungen auf der Basis der RA 23, RAonline Erhebung im Nov. 22].
Während der Corona-Jahre 2020 und 2021 war die Zahl der Urlaubsreisen und der Kurzurlaubsreisen also deutlich geringer als 2019. Es ist aber auch nicht so, als hätten die Deutschen gar keine Reisen gemacht. 2022 nähern sich die Werte dem Vor-Corona-Niveau an.

Startbedingungen für 2023: Viele planen schon ihre Reisen
Die Indikatoren für die touristische Nachfrage im Jahr 2023 spiegeln zunächst die angespannte wirtschaftliche Situation wider. Hinsichtlich der erwarteten allgemeinen wirtschaftlichen Entwicklung sind die Deutschen pessimistischer als noch vor einem Jahr. Zwei Drittel erwarten hier eine Verschlechterung. Wenig gut wird auch die persönliche wirtschaftliche Entwicklung eingeschätzt: 17% (Vorjahr 22%) erwarten, dass sich ihre persönliche wirtschaftliche Situation in einem Jahr verbessert haben wird; 42% (Vorjahr 24%) befürchten eine Verschlechterung. Die restlichen 41% erwarten keine Veränderung. Die von vielen als kritisch wahrgenommene individuelle wirtschaftliche Situation ist zunächst keine gute Voraussetzung für den Urlaubstourismus 2023. Es zeigt sich aber, dass die Reisepläne dennoch auf einem hohen Niveau sind.
Mit Urlaubsreisen 2023 haben sich bereits im November mehr als vier von fünf Deutschen (83%) gedanklich beschäftigt. Ob jemand tatsächlich eine Reise antritt, ist dann eine Frage des Könnens (Zeit und Geld?) und des Wollens (Urlaubslust?). Danach haben wir direkt gefragt: Die Urlaubslust ist mit 54% auf einem hohen Stand; das gilt auch für den Faktor Zeit (66%). Anders sieht es beim Geld aus: Zwar ist sich eine Mehrheit von 54% sicher, dass das Geld für Urlaub auch 2023 vorhanden ist, aber 24% haben Zweifel, dass sie sich 2023 keine Urlaubsreise werden leisten können (je 12% sicher nicht und wahrscheinlich nicht).
Nach konkreten Reiseabsichten gefragt, sagen wiederum 12%, dass sie keinerlei Reiseabsicht haben. 69% der Bevölkerung planen aber eine oder mehrere Urlaubsreisen. Demzufolge würde die Urlaubsreiseintensität 2023 über der von 2022 liegen.
Entsprechend den aktuellen wirtschaftlichen Herausforderungen wollen mehr Deutsche ihre Urlaubsreiseausgaben in diesem Jahr reduzieren (17%, letztes Jahr: 5%). Aber die finanziellen Sorgen belasten längst nicht alle so, dass ihre Reisen betroffen sind. 23% der Befragten wollen dieses Jahr mehr ausgeben (Vorjahr: 15%).
Urlaubsreisen waren und bleiben für die meisten Deutschen ein unverzichtbarer Bestandteil der Lebensqualität. Die Voraussetzungen daran teilzunehmen, sind in der Gesellschaft aber nicht gleich verteilt.

Urlaubsreisen 2023
Das Gesamtbild der Urlaubsreisen wird 2023 wieder ähnlich sein wie vor der Corona-Pandemie, sowohl bei den Reisezielen als auch bei den Reisearten. Dafür sprechen die geäußerten Präferenzen. Deswegen werden auch 2023 Urlaubsreisen in Deutschland den ersten Platz der Hitparade einnehmen. Es folgen Spanien, Italien, die Türkei und Österreich. Kroatien und Griechenland spielen in der Top-Liga mit [Trendabschätzungen auf der Basis der RA 23/RAonline, Nov. 22]. Zu rechnen ist insgesamt mit einem Volumen von ca. 65 Mio. Urlaubsreisen der deutschsprachigen Bevölkerung.
Es wird aber auch deutlich, dass den Urlauber viele von den zahlreichen touristischen Angeboten zusagen. Sie sind multi-optional, haben mehr Wünsche und Interessen als sie in einem Jahr in eine Reise umsetzen können. Das sichert die Nachfrage grundsätzlich, erhöht aber den Wettbewerb in der Branche. Ein Zeichen für die Flexibilität der Nachfrage: 44% planen, in diesem Jahr ein Ziel zu besuchen, in dem sie noch nicht gewesen sind. [Quelle RA 23, RAonline, Nov. 22].
Der Tourismus entwickelt sich also weiter dynamisch. Der Wandel kommt vor allem durch Entwicklungen in den Rahmenbedingungen und im touristischen Angebot, etwa bei den Themen Nachhaltigkeit, technologischer Wandel und Personal. Urlaubsreisen zum Wohle der Reisenden und ihrer Gastgeber werden auch in Zukunft eine wichtige Rolle in Gesellschaft und Wirtschaft spielen. (siehe Grafik 1)

Trends 2023

 

Quelle: FUR e.V.; Fleethörn 23; 24103 Kiel; www.reiseanalyse.de.

Diese Unterlage ist durch die Forschungsgemeinschaft Urlaub und Reisen e.V. (FUR) für die Eröffnungspressekonferenz der CMT 2023 erarbeitet worden. Die FUR ist der Träger der jährlichen Reiseanalyse (RA). Zur fachlichen Vorbereitung hat die FUR im November eine aktuelle Umfrage durchgeführt (repräsentativ für die deutschsprachige Wohnbevölkerung 14-75 Jahre; n = 2.500, Erhebung durch Ipsos) und die Zeitreihen der Reiseanalyse ausgewertet. Die RA 2023 mit Erhebungswellen im Mai, Sept., Nov. und Jan. ist die 53. Reiseanalyse.

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