7. Oktober 2021

Eifel statt Malle – Kritisch reisen

© Eifel Tourismus - D. Ketz

In der Mediathek von WDR und ARD ist in der Reihe „Die Story“ ein 45-minütiger Dokumentarfilm über Tourismus in der Eifel entstanden. Wie sieht er aus nach Pandemie und Flut, welche Herausforderungen meistern die Anbieter?

Die Sendereihe „Die Story“ zeigt immer wieder auch Schattenseiten der Gesellschaft, erst recht die Rubrik „Kritisch reisen“. Dort ging es in früheren Jahren bereits um Billiglöhne in türkischen Hotelburgen oder um die Schäden für Venedigs Pracht durch überbordende Kreuzfahrten. Nun also „Eifel statt Malle“ mit dem Aspekt des kritischen Reisens. Doch wer hier bislang verborgene Skandale erwartete, wurde eines Besseren belehrt. Denn Tourismus in der Eifel bedeutet – so das Fazit des Films – vor allem Kreativität und Zusammenhalt.

Gezeigt wurden unter anderem ein aus Syrien stammenden Gastgeber, der ein Strandbad am Rursee mit Leben erfüllt und nach der Pandemie im Juli „Land unter“ hatte. Gezeigt wurde auch ein junges Frauenduo, das als Start-up einen Campingplatz betreibt, der vom Hochwasser betroffen war. Zu sehen war bei aller journalistischen Sorgfalt und Neugier keine Geschichte von Ausbeutung, schnellem Geld oder Anonymität, wie sie in derselben Reihe etwa zu den massentouristischen Zielen des Südens erzählt wurde. Sondern im Gegenteil: Hilfsbereitschaft, Anpacken, unverbrüchlicher Optimismus auch in kritischen Situationen und die Energie, sich nicht unterkriegen zu lassen, kennzeichnen laut den Filmemachern die Gastronomen – Eifeler wie Wahleifeler.

Gänzlich heile Welt dokumentierte der Film dennoch nicht. Denn zur Sprache kam auch, wie sehr Anwohner an besonders frequentierten Routen vor allem an Wochenenden und in Schönwetterperioden unter Motorradlärm leiden. Die überaus meisten Biker halten sich an die Auflagen für Dezibel und Geschwindigkeit, jedoch nicht alle. Dies führt in den betroffenen Orten zu Problemen. Schwierig gestaltet sich offenbar bisweilen die sehr hohe tagestouristische Nutzung bestimmter Ziele wie etwa der Rurtalsperre: Wildes Parken führt zu Unmut bei Anrainern, wildes Campen und wilde Feuerstellen in der eigentlich streng geschützten Natur des Nationalparks Eifel machen den Rangern Sorgen. Denn durch derartige Abweichungen vom angemessenen Verhalten in einem Nationalpark steigt nicht nur die Waldbrandgefahr, auch die Tiere werden nachhaltig gestört. Zugleich zeigte der Film jedoch auch, wie professionell und sachlich die Ranger ihre auf Abwege geratenen Gäste ansprechen – mit Erfolg.

Alles in allem war die Folge von „Kritisch reisen – Eifel statt Malle“ ein sehenswertes Plädoyer für den Urlaub vor der Haustür. Nicht die Eifel und ihre Gastgeber gaben Anlass zu journalistischer Kritik, sondern allenfalls bestimmte Verhaltensweisen mancher Eifelbesucher. Doch die Beliebtheit der Eifel auch bei Campern und Bikern ist sicher keine „Story“, die für Negativschlagzeilen sorgt. „Eifel statt Malle“, als Frage formuliert, kann mit einem klaren Ja beantwortet werden.

Der Beitrag kann in der ARD Mediathek betrachtet werden. Einfach dem Link folgen…

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Autor(in)

Stephan Kohler
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