23. Januar 2018

Tourismusbewusstsein – Grundlage für strategische Entscheidungen und eine perfekte Servicequalität

Die Querschnittsbranche Tourismus ist ein überaus komplexes System, bestehend aus einer Vielzahl von Stakeholdern mit unterschiedlichsten Ansprüchen, Wissensständen und Berührungspunkten mit dem Tourismus.

Bewusstsein für touristische Themen beginnt mit guter Kommunikation

Um ein hohes Tourismusbewusstsein zu erreichen, braucht es eine positive Stimmung aller am Tourismusgeschehen Beteiligten – von den touristischen Akteuren über die politischen Entscheidungsträger bis zur gesamten Wirtschaft und Gesellschaft. Auf allen Ebenen ist die übergeordnete Zielsetzung dieselbe: mehr Wertschätzung, Akzeptanz und Anerkennung für die Bedeutung der Tourismusbranche als Faktor der Wirtschafts- und Regionalentwicklung in Rheinland-Pfalz. Eine der wichtigsten Aufgaben ist es daher, die Bedeutung des Tourismus deutlich stärker in den Köpfen aller Leistungs- und Entscheidungsträger, aber auch der Bevölkerung, zu verankern. Ein Baustein in Rheinland-Pfalz ist etwa die regelmäßige Veröffentlichung der Broschüre Tourismus als Jobmotor, Wirtschafts- und Standortfaktor mit ansprechend aufbereiteten Kernkennzahlen des Rheinland-Pfalz-Tourismus sowie kurzen erläuternden Texten. Auch das Barcamp Tourismusnetzwerk Rheinland-Pfalz, welches im April bereits zum fünften Mal durchgeführt wird, dient einem guten Austausch verschiedenster Akteure im Tourismus.

Zielgruppe Politik: Umfassende Information ist wichtig
Das Verhältnis zwischen Politik und Tourismus ist häufig ambivalent. Auf der einen Seite verwenden politische Akteure touristische Projekte und Erfolgsmeldungen gern für die Öffentlichkeitsarbeit. Auf der anderen Seite fühlen sich Touristiker in ihrer Rolle und ökonomischen Bedeutung für den Ort oder die Region nicht selten unterschätzt. Dabei ist es vor allem die Politik, die wichtige tourismusrelevante Entscheidungen mitbestimmt und damit Entwicklungen entweder aktiv vorantreiben oder sogar verhindern kann. Denn viele Entscheidungen, die von der Politik gefällt werden, haben nicht zuletzt Auswirkungen auf den Tourismus. Ein gesundes Klima zwischen Politik und Tourismus ist daher für die Tourismusentwicklung in Rheinland-Pfalz von entscheidender Bedeutung. Es geht um ein Sensibilisieren, Aufklären und das Gewinnen von Multiplikatoren als Botschafter für den Tourismus.
Blick über den Tellerand – Praxisbeispiele außerhalb von Rheinland-Pfalz:
– gut aufbereitete Informationen wie das „Erklärvideo“ zum Wirtschaftsfaktor Tourismus in Oberbayern
– Auszeichnung tourismusfreundlicher Parlamentarier durch hotelleriesuisse.

Zielgruppe Leistungsträger: Vernetzung und Austausch stärken
Die touristischen Leistungsträger leisten einen wesentlichen Beitrag zu einer hohen Angebots- und Servicequalität und können den Besuchern des Reiselandes Rheinland-Pfalz – bei entsprechender Sensibilisierung und Gastfreundschaft – das Gefühl geben, willkommen zu sein. Somit sind die Leistungsträger sehr wichtige Botschafter und Multiplikatoren, von deren Tourismusbewusstsein auch die Zufriedenheit und Wiederbesuchsbereitschaft der Gäste abhängt. Hierzu zählen neben den Tourismusorganisationen und Tourismusunternehmen (z. B. Unterkünfte, Gastronomiebetriebe, Freizeiteinrichtungen) auch weitere Unternehmen, die mit dem Tourismus in Berührung kommen (z. B. Einzelhandel, Verkehrsdienstleister, Handwerksbetriebe). Je weiter die Betriebe gefühlt vom Tourismus entfernt sind, desto geringer ist auch die Wahrnehmung der positiven Effekte des Tourismus. Wichtig ist es demzufolge, diese Betriebe gezielt über den Nutzen des Tourismus auch für ihre Branche zu informieren sowie Austauschplattformen / Netzwerke zu schaffen und bekannt zu machen. In Rheinland-Pfalz ist das Tourismusnetzwerk hierfür ein positives Beispiel
Blick über den Tellerrand – Praxisbeispiele außerhalb von Rheinland-Pfalz:
– Vernetzung von Tourismuswirtschaft und anderen Branchen im Sauerland
– Initiative „Du bist Basel“.

Zielgruppe Bevölkerung: Freizeitwert und Lebensqualität durch Tourismus

Die Zufriedenheit und Lebensqualität der Bevölkerung wird ein immer wichtigerer Gradmesser. Der Glücksatlas der Deutschen Post ermöglicht eine vergleichende Bewertung der Lebenszufriedenheit in allen deutschen Regionen. In diesem Monitoring hat sich die Region Rheinland-Pfalz / Saarland 2017 im Vergleich zum Vorjahr um drei Plätze verbessert und liegt nun auf Platz zehn von 19 Regionen in Deutschland und damit erstmals über dem Bundesdurchschnitt (Quelle: www.gluecksatlas.de). Mit dem Ausbau der Freizeitinfrastruktur und einem überdurchschnittlichen Gastronomie-, Kultur- und Shoppingangebot steigern Tourismus- und Freizeitwirtschaft nachweislich die Lebensqualität für Einwohner wie Besucher.

Zu einem tourismus- und gästefreundlichen Umfeld tragen auch die Einwohner entscheidend bei. Eine ausgeprägte Willkommenskultur ist eine Grundvoraussetzung für die Gästezufriedenheit. Mit Offenheit und ehrlicher Gastfreundschaft können die Rheinland-Pfälzer*innen die touristische Entwicklung positiv unterstützen. Eine gut ausgebaute (Freizeit)Infrastruktur z.B. kommt der Bevölkerung als auch den Gästen zugute. Die Bedeutung des Tourismus für das jeweilige Wohnumfeld muss auch der Bevölkerung nähergebracht werden. Neben konkreten Vorteilen geht es auch um die Stärkung der regionalen Identität und der Bürgerbeteiligung. Bei der Förderung des Tourismusbewusstseins spielen zudem die regionalen Medien eine nicht zu unterschätzende Rolle.
Blick über den Tellerrand – Praxisbeispiele:
Ideenwettbewerb in der Metropolregion Rhein-Neckar (MRN; www.m-r-n.com)
Angebote für Einheimische in Kiel
– Medieninitiative „Ohne Block und Bleistift“ der IHKn in Schleswig-Holstein (Veranstaltung zum lockeren Gedankenaustausch (ohne Block und Bleistift) mit den Medienvertretern).

Belastungseffekte durch Tourismus
Es ist unbestritten, dass der Tourismus vielfältige positive Effekte in Orten und Regionen auslöst. Trotzdem kann ein uneingeschränktes Tourismuswachstum bzw. eine starke räumliche oder zeitliche Ballung auch Begleiterscheinungen hervorrufen. Diverse nationale und internationale Beispiele verdeutlichen derzeit, wohin ein als zu stark empfundenes quantitatives touristisches Wachstum führen kann. In Deutschland lässt sich sowohl in Großstädten als auch an den Küsten bereits beobachten, dass der Tourismus lokal auf Akzeptanzprobleme stößt, weil vor Ort ein „zu viel“ an Tourismus und negative Auswirkungen – ob nun objektiv oder subjektiv – wahrgenommen werden. Diese Entwicklung gilt es in allen Destinationen im Blick zu halten, so auch in Rheinland-Pfalz. Hierzu gehören Parkplatzengpässe, Staus und Verkehrsprobleme ebenso wie Lärm und Ruhestörungen, Verschmutzung und Müllprobleme, mögliche Preissteigerungen bei Mieten oder in der Gastronomie sowie die Verknappung von Baugrund oder Verdrängungseffekte in Wohngebieten
Blick über den Tellerrand – Praxisbeispiele nach dem Prinzip “rechtzeitig erkennen udn proaktiv begegenen) außerhalb von Rheinland-Pfalz:
– Monitoring von Verkehrsströmen
– „Saubere Sache“ – Flensburger Brauerei unterstützt Küstenorte bei der Strandreinigung
– Steigerung der Wertschöpfung vor Mengenwachstum als strategischer Ansatz in Südtirol

Messbarkeit ist wichtig
Sinnvoll ist es, Akteuren ein Messinstrumentarium an die Hand zu geben, mit dem sie den Nutzen des Freizeit- und Tourismussektors in seiner Breite sichtbar machen können. Freizeitbezogene und touristische Potenziale für mehr Regionalentwicklung lassen sich nur nutzen, wenn die Wirkungszusammenhänge bekannt sind und sich Erfolge beziehungsweise unerwünschte Abweichungen messen lassen. Ausgehend von dem Wirkungsmodell des touristischen Nutzenbaumes lässt sich ein erweitertes Mess- und Zielsystem entwickeln. Die Aussagekraft, die Datenverfügbarkeit sowie der Raumbezug sind je nach Region unterschiedlich und können nur im Rahmen von vertieften Analysen auf der Ortsebene bewertet werden (vgl. Abbildung). Wichtig ist es, sich von der Konzentration auf Nachfragedaten hin zu einem übergreifenden Blick auf den Tourismus zu bewegen
Praxisbeispiel: regelmäßige Befragungen zum Tourismusbewusstsein und der Tourismusakzeptanz bei der Bevölkerung, bei Betrieben und der Politik

Wissenschaftliche Beratung:
dwif-Consulting GmbH
Anja Schröder, Karsten Heinsohn

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